Kulinarischer Adventskalender: Käsefondue – und dazu viele Freunde

Lange gerührt: Cookie vor seinem Käsefondue, das er traditionell am zweiten Feiertag mit Freunden zubereitet. Foto: Amin Akhtar

Lange gerührt: Cookie vor seinem Käsefondue, das er traditionell am zweiten Feiertag mit Freunden zubereitet. Foto: Amin Akhtar

In den Nullerjahren tanzte Berlin in seinem „Cookies“, heute betreibt er zwei Restaurants. Weihnachten feiert Heinz Gindullis, genannt Cookie, mit den engsten Freunden.

Von Anette Nayhauß

Der Kaufhauslautsprecher dudelt dünn „Kling Glöckchen klingelingeling“. Nicht unbedingt die passende Hintergrundmusik für das erste Telefonat mit dem Mann, der die Berliner jahrelang mit Elektromusik zum Tanzen brachte. Aber es hilft nichts, der Anruf lässt sich nicht verschieben: Cookie geht gleich einkaufen und muss wissen, was er kochen soll. Bei ihm gebe es Weihnachten immer Käsefondue, sagt er, ob das in die Morgenpost-Serie passe?

„Guck dich um“ – weg ist er

Käsefondue also. Am nächsten Vormittag steht die Tür zu Cookies Wohnung in Mitte offen, der 41-Jährige ruft aus der Küche, er sei gleich da, nur finde er gerade die Speisestärke nicht. Die Suche bleibt erfolglos, deshalb muss er jetzt leider kurz los, „guck dich um“, sagt er, dann ist er für eine Viertelstunde weg.

Das ist ziemlich lässig, ein bisschen wie bei alten Freunden, und genau das macht Cookie und seine Arbeit aus. Heinz Gindullis, genannt Cookie, bestimmte mit dem Mitte- Club „Cookies“ in den Nullerjahren die Partyszene Berlins, inzwischen betreibt er zwei Restaurants, das „Cookies Cream“ und das „Crackers“, ebenfalls in Mitte. „Cookies erweiterter Freundeskreis“ habe im „Cookies“ getanzt, schrieb einer, der dort mitfeierte, zum Abschied, als der Club 2014 schloss.

Eine Bar für die Freunde

Schon in Cookies allererste Bar in einem Abbruchhaus an der Auguststraße kamen vor allem seine Freunde, was deshalb so gut funktionierte, weil jeder, der zum ersten Mal vorbeischaute, mit dem Gefühl nach Hause ging, von jetzt an zum Kreis dazu zu gehören. Das „Cookies“ zog um, wurde größer, der Freundeskreis auch. Inzwischen trifft er sich eben nicht mehr im Club, sondern in Cookies Restaurants. Zum vegetarischen „Cookies Cream“ kam 2014 das „Crackers“ in den früheren Clubräumen. Cookie ist immer noch nahezu jeden Abend dort. „Die Stammgäste freuen sich, mich zu sehen“, sagt er. Und er freut sich, wenn Gäste an seinen Restaurant-Tischen sitzen, mit denen er früher Party gemacht hat.

Seine Freundin hat Cookie natürlich auch im „Cookies“ kennengelernt , schließlich spielte sich sein Leben 20 Jahre lang weitgehend im Club ab, „wo sollte ich sonst jemanden kennenlernen?“ Mit ihr und den beiden Kindern lebt er in der großen Wohnung in Mitte, in der ausgerechnet die Küche der kleinste Raum ist. Irgendwann wollen sie das ändern, erzählt er, wenn mal Zeit ist neben Kindern und Jobs. Immerhin ist die Küche auch jetzt schon groß genug für den gut zwei Meter langen, schwarz lackierten Holztisch, an dem Cookie gerade den Käse reibt, „ganz schön anstrengend“, stellt er fest, sonst helfe ihm sein Freund Schumi immer dabei. Weihnachten bei Cookie wird am zweiten Feiertag traditionell mit vielen Gästen gefeiert, Familie, sehr enge Freunde kommen, „zwischen 10 und 24 Personen“, und kochen gemeinsam.

Mit acht Jahren Vegetarier

Auf Käsefondue können sich alle einigen. Gans kommt nicht infrage, Cookie ist Vegetarier, seit seine Mutter vor 33 Jahren beschloss, kein Fleisch und keinen Fisch mehr zu essen. Nach Rezept kocht Cookie selten. Für das Käsefondue hat er aber dann doch lieber am Tag vorher seinen Schweizer Freund angerufen, um nachzufragen, wie viel Wein genau ans Essen muss. „Man muss exakt das halbe Gewicht des Käses nehmen“, erklärt Cookie, misst den Grünen Veltliner im Messbecher ab, stellt fest: „Sieht ganz schön wenig aus“ – und schüttet noch einen großzügigen Schwapp dazu.

Im Restaurant gibt es die Lieblingsgerichte der Freunde

Man müsse sich beim Kochen etwas trauen, findet er. Die Gäste seiner Restaurants seien viel experimentierfreudiger als er erwartet. Im „Crackers“ gebe es einen Erbsensalat, „von dem dachte ich nicht, dass ihn irgendjemand bestellt, aber der ist wahnsinnig erfolgreich.“ Oder der gegrillte Eisbergsalat mit Stilton und Limone: „Ich mag weder Eisbergsalat noch Stilton, aber zusammen und vom Grill: Das funktioniert.“

Stephan Hentschel ist Küchenchef in beiden Restaurants. Seit acht Jahren kocht er im „Cookies Cream“, natürlich vegetarisch, „das stand von Anfang an fest“. Genau so klar war, dass es im vor gut einem Jahr eröffneten „Crackers“ auch Fleisch und Fisch gibt. Wer ins „Cream“ gehe, wolle wegen der „sehr berühmten vegetarischen Gerichte“ hin, ist Cookie überzeugt. Im Crackers gebe es die Lieblingsgerichte seiner Freunde. Die brauchten schließlich einen neuen Anlaufpunkt, als der Club schloss.

Die langen Nächte sind vorbei

Die ganze Nacht schlägt sich Cookie seither kaum noch um die Ohren. Früher kam er erst am Morgen nach Hause, nach einer langen Arbeitsnacht sozusagen. „Das ist vorbei“, sagt Cookie, Bedauern klingt dabei eher nicht mit. Vielleicht weil es für ihn ohnehin immer eher darum ging, einen Abend mit Freunden zu verbringen. Das kann er im „Crackers“ oder „ Cream“ schließlich auch.

Als Kind „süß wie ein Cookie“

Weil Käsefondue wirklich sehr lange gerührt werden muss, hat Cookie am Herd ausreichend Zeit, aus seinem Leben zu erzählen. Wo sein Name herkommt, zum Beispiel. Cookie wuchs in England auf, ein Freund der Familie fand, der Zweijährige sei „so süß wie ein Cookie“. Von da an riefen ihn Familie und Freunde bei dem Namen, der ihm erhalten blieb und dafür sorgte, dass einer der bekanntesten Clubs der Stadt nach Keksen benannt war. Und von seiner Kindheit mit vier Geschwistern, „wir waren eine große Familie, da musste jeder von klein auf mithelfen“.

Wer schon als Kind kochte, hat im Gefühl, wie es geht: Wann genau das Schnaps-Speisestärke-Gemisch eingerührt werden muss? Cookie lacht. „Das frage ich mich auch gerade“, gibt er zu, um es dann einfach in den Topf zu schütten. Im richtigen Moment offenbar, Käse und Wein verbinden sich, das Fondue wird cremig, jetzt darf gegessen werden. Muss sogar, ordnet Cookie an: „Käsefondue kann man nicht wieder warm machen, was wir nicht aufessen, muss ich wegwerfen.“

Hilfe für ein Waisenhaus in Tansania

Man könne auch ruhig viel essen, denn der Hibiskusblütentee sorge dafür, dass der mächtige Käse verträglich bleibt, versichert er. Der Tee stamme übrigens aus dem Waisenhaus in Tansania, das er seit einigen Jahren unterstützt. Landwirtschaft gehört dort ebenso zur Ausbildung wie Englisch und Computerkenntnisse. 100 Kinder werden, ihren Begabungen entsprechend, gefördert. Bei seinem jährlichen Charity-Dinner wirbt Cookie um Spenden für das Projekt.

Über Weihnachten schließen beide Restaurants. „Damit das ganze Team feiern kann“, sagt Cookie. Er will bei seinen Kindern sein, der Vierjährige glaubt jetzt „so richtig“ an den Weihnachtsmann, das will der Vater natürlich nicht verpassen. Mit dem „erweiterten Freundeskreis“ geht die Party erst am 28. Dezember wieder los. Dann machen „Crackers“ und „Cookie’s Cream“ wieder auf.

>>> Zum Fondue-Rezept von Cookie

Mehr Informationen

Cookies In London geboren, zog Heinz Gindullis, schon als Kind Cookie genannt, mit 17 Jahren nach Berlin. Vier Jahre später eröffnete er seine erste Bar. Das „Cookies“ prägte in den Nullerjahren das Nachtleben Berlins.

Essen Im „Cookies Cream“ wird vegetarisch gekocht, im „Gault Millau 2016“ gab es dafür 15 Punkte. Im „Crackers“ wird auch Fleisch und Fisch serviert. Küchenchef Stephan Hentschel verspricht eine moderne Großstadtküche.

Reservieren Für beide Restaurants wird eine Reservierung empfohlen. „Cookies Cream“, Behrenstraße 55 (im Hinterhof), Mitte, Tel. 2749-2940
„Crackers“, Friedrichstraße 158, Mitte, Tel. 680 730 488

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