Kulinarischer Adventskalender: So eine Pasta ist schnell gemacht

 Thomas Struck und Karin Laudenbach kochen weihnachtliche Pasta

Thomas Struck und Karin Laudenbach kochen weihnachtliche Pasta

Spitzengastronomen aus der Hauptstadt öffnen die Türen ihrer Küchen und kochen für die Berliner Morgenpost. Teil 18: Pasta-Taschen gefüllt mit Ricotta. Und breite Nudeln mit Blättern.

Susanne Leinemann

Dieser vorweihnachtliche Nachmittag beginnt mit Ratlosigkeit. „Was sollen wir kochen?“, fragt Tommy Struck seine Patnerin Karin Laudenbach. „Keine Ahnung“, antwortet die. Was ist passiert? Die Tauben liegen ja zwar schon im Kühlschrank, die eigentlich für den Adventskalender zubereitet werden sollten. „Aber der Trüffel ist nicht gekommen!“ – „Was heißt das?“, frage ich nach. „Er hängt auf dem Köln-Bonner-Flughafen fest. Der Pilot ist heute Morgen nicht aufgetaucht.“

Ein Trüffel-Gau also. Nicht nur für Tommy Struck und Karin Laudenbach. Auch für viele Spitzenköche in Berlin. Man kauft nämlich gemeinsam von einem Trüffel-Dealer, der durch die Sternerestaurant von Berlin geht und Bestellungen aufnimmt. Tim Raue und andere haben immer einen guten Riecher, ab wann man kaufen soll. Nicht zu früh, dann ist der Trüffel noch zu wässrig. Jetzt war alles perfekt, nur der Pilot machte ein Strich durch die Rechnung.
Karin Laudenbach reißt Kühlschrank und Schubladen auf, sucht eine Inspiration. „Vielleicht einen überbackenen Schafskäse? Oder Ravioli? Wie wäre es überhaupt mit Pasta?“ Flugs wird die orignal-italinienische Pasta-Maschine rausgeholt.

Dass die beiden Berlins Sterneköche so gut kennen, hat natürlich einen Grund. Tommy Struck hat das „Kulinarische Kino“ der Berlinale aus der Taufe gehoben und stellt jedes Jahr zusammen mit Karin Laudenbach ein wunderbares Programm im Spiegelzelt zusammen. Grundlage ist ein Film, der sich im weitesten Sinne um Kochen und Speisen dreht und der auf der Berlinale gezeigt wird (allerdings nicht im Wettbewerb). Danach „interpretiert“ ein Spitzenkoch die Gerichte und serviert sie dem Berlinale-Publikum im Spiegelzelt. Sonja Frühsammer war schon unter den Köchen, Tim Raue, Cornelia Poletto, Christian Lohse, Tim Raue und Andoni Aduriz aus dem Baskenland.

Szenen einer langen Liebe

Filme gucken und dazu wunderbares Essen zu sich nehmen – einen schöneren Beruf kann man sich kaum vorstellen. „Der schönste“, sagt Tommy Struck lachend und zaubert eine kühle Flasche Rosé hervor. Währenddessen knetet Karin Laudenbach den Pasta-Teig.
„Hast du das schon Mal gemacht, Tommy“, fragte sie. – „Was?“ – Sie zeigt zur Pastamaschine. „Ich habe das schon Mal gesehen. In einer Wohnung in Neapel“, sagt er. Dann grinst er mich an. „Ich darf nachher kneten.“ Prost!

Karin Laudenbach ist zwar keine gelernte Köchin, aber eine sehr erfahrene – zwischendurch hat sie mal für eine Kita in Hamburg gekocht. Außerdem schreibt sie Drehbücher. Und sucht mit Tommy die passenden Filme und Köche aus. Mit was wird einen dieses Jahr das „Kulinarische Kino“ auf der Berlinale erfreuen? Pssst. Alles noch ganz geheim.
Ganz einfach sei es, Pasta zu machen, betont Karin Laudenbach. Tatsächlich, der Teig geht schnell: Nudelmehl, Salz und Wasser. Das ist alles. Tommy Struck darf jetzt zum Kneten ran. „Jetzt kannst du nichts mehr falsch machen.“ Szenen einer langen Liebe.

Nun kommt der Teil in die Walze, damit er schön dünn wird. „Der Mann an der Kurbel“, witzelt Tommy Struck, während Karin Laudenbach ihn anfeuert: „Schneller, schneller.“ Und nun kommt der Clou: in die breiten Nudelbänder drückt sie ein Blatt glatter Petersilie oder ein Rote-Bete-Blatt. Einmal dünner Teig drüber geschlagen, schon liegt das Blatt in der Mitte der Nudelmasse, wird noch einmal platt gewalzt. Der Effekt ist groß: wie ein Tannenbaum schimmert das grüne Blatt nun im Nudelteig. Ein wunderschöner Anblick.
„Man kann mit Pasta so viel machen. Auch einfärben – mit Rote-Bete-Pulver. Rote Tortellini oder Nudeln, ein toller Effekt.
Jetzt ist noch viel Nudelteig übrig, also wird der Ricotta aus dem Kühlschrank geholt. „Wir machen Ravioli“, sagt Karin Laudenbach. Und sofort holt Tommy Struck eine Bio-Zitrone dazu. Wenn man den Abrieb der Zitrone mit dem Ricotta vermischt, ist der Effekt wunderbar frisch.

Man merkt, dass hier gerne gegessen wird

Auf dem langen schönen Holztisch ist nun schon allerlei los. Tommy Struck dreht weiterhin die Kurbel, die Weingläser füllen sich ein zweites und drittes Mal. Man merkt der Küche an, dass hier gerne gesessen und gegessen wird. Haben die beiden oft Besuch? „Oh ja“, sagen beide aus einem Mund. Im Grund sei der Küche der Hauptraum der Wohnung, hier spiele sich fast alles ab. Tatsächlich ist sie groß und geräumig. „Viele schöne Abende“ hätten sie hier schon verbracht in den letzten elf Jahren. Mit Leid und Seele Gastgeber.
Die Ravioli werden jetzt schnell gefüllt, auf dem Herd koch schon das Wasser. Frische Nudeln, von Hand gemacht, muss man nur ganz kurz kochen. Dann holte man sie mit dem Schaumlöffel raus und ab auf den Teller.

Ein bisschen warme Butter drüber, geriebener Parmesan und frischen Pfeffer. Ein wunderbares leichtes Gericht für jede Jahreszeit – auch Weihnachten. Wir sitzen zusammen, stoßen an, plaudern und essen. Was kann es Schöneres geben.

Pasta-Taschen Gefüllt mit Ricotta. Und breite Nudeln mit Blättern – zum Rezept.

 

Alle bisher erschienenen Folgen des Kulinarischen Adventskalenders

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.